Ein Linksruck wäre die falsche Antwort

Kaum war der erste Schock über das Ergebnis der Bundestagswahl verdaut, wussten einige besonders schlaue Personen schon, wie die SPD aus der Krise geführt werden musste. Flugs zogen sie ihre Konzepte aus der Schublade (ein Schelm, wer denkt sie steckten dort nicht seit langem drin) und verkündeten die Linkswende der SPD; „radikale“ Veränderungen kündigten indes die Jusos an. Nun ist es nicht überraschend, dass die SPD-Jugendorganisation nicht den Konzepten von gestern die Fragen von morgen klären möchte ist nicht neu; neu ist vielmehr, dass sich die Pragmatiker ist offenbar kalt stellen lassen und vom Wahlergebnis selbst ganz paralysiert sind. Steinbrück möchte keine Führungsrolle mehr spielen und auch der Seeheimer Kreis, namentlich Johannes Kahrs, wirken mit ihren Antworten eher hilflos.

Dass sie keine Antworten hätten, wäre übrigens falsch, zumal die Antworten der Linken noch viel katastrophaler für das Land wären. Mit einem Überbietungswettbewerb an sozialen Leistungen steht ein Verlust an wirtschaftlicher Substanz gegenüber.

Da wundert es nicht, dass die FDP neue Erfolge feiert, aber das wird in der SPD seltsamerweise kaum registriert. Zumindest lässt man den Gedanken, dass die FDP mit ihren Thesen auch in der Bevölkerung Anhänger finden könnte, gar nicht erst aufkommen. Dabei geht es nicht um Bürgerrechtspolitik (die Ernsthaftigkeit der FDP auf diesem Themenfeld möchte ich gar nicht in Abrede stellen, sondern um knallharte marktorientierte (manche würde sagen „marktradikale“) Politik. Wer wählt also die FDP? Nicht nur aber auch: Arbeitslose. Erst in der letzten Ausgabe von Anne Will trat ein Arbeitsloser auf,  der stellvertretend für 10% seiner Bevölkerungsgruppe steht. Er will wieder arbeiten und setzt auf die Rezepte der FDP. Ich will diese jetzt gar nicht bewerten, aber es liegt eine gewisse Logik im Denken der Liberalen. Vor allem aber greifen sie die Nöte auf die in der Zeit der Großen Koalition erst entstanden oder sich zumindest verstärkten. Ich bin der letzte, welcher Große Koalitionen perse schlecht redet, aber diese blieb unter ihren Möglichkeiten. Weder die Armut, noch die Arbeitslosigkeit wurden ausreichend bekämpft; beides sind jedoch gravierende Probleme. Zum Schluss galt nur noch: Wer sich bewegt verliert.

Noch ein Kommentar zum Schluss: Selbst wenn wir eine 2%-Hürde hätten, wie es manche Parteien gefordert hatten, hätte Schwarz-Gelb eine Mehrheit. Die Piraten haben zwar die Parteienlandschaft beeinflusst, sind aber für maßgebliche Veränderungen noch zu schwach.

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7 Gedanken zu „Ein Linksruck wäre die falsche Antwort

  1. Was auf keinen Fall geht, ist ein usw. Gerade fws aber hat doch das usw zunächst für unser Land ausgeschlossen, ist jetzt ausweislich des Wahlergebnisses hierfür mitverantwortlich und ruft es zugleich für unsere Partei aus, noch bevor eine eingehende Analyse überhaupt angelaufen ist. Damit er hat er sich ebenso als Parteivorsitzender disqualifiziert, wie auch als zukünftiger Kanzlerkandidat. Und der Platz auf der harten Oppositionsbank, den er von Dr. Guido Westerwelle vorgewärmt bekam, werden wir ohne Perspektive so schnell nicht mehr verlassen. Komm‘ mal runter vom Seeheimer-Ross, auf die Ebene der Parteibasis, und damit meine ich ausdrücklich nicht nur den eigenen Ortsverein oder Unterbezirk, schau auch mal über den Tellerrand, sprich mit nicht organisierten Parteimitgliedern, Sympatisanten und auch dem politischen Gegner. Was ich heute erleben durfte, eine Seeheimerin die im Team Steinmeier für Verteidigung vorgesehen war, war ein Offenbarungseid. Und wir sind es als Partei, solang wir nicht wieder alle an einem Strang ziehen – sonst hängen wir nämlich bald dran.

  2. Lustig, diese Seeheimer. Jeder, der sehen will, weiß doch, warum die SPD bei 23 Prozent liegt: Weil sie seit zehn Jahren Politik gegen die eigenen Wähler macht. Die Fakten liegen seit Jahren auf dem Tisch: Die SPD ist mitverantwortlich für den Niedriglohnsektor (das Wort kannte man 1998 noch gar nicht), dafür, dass die soziale Schere auseinandergeht, dafür, dass die Einkünfte aus Kapitalvermögen steigen, die Löhne aber nicht etc.

    Jeder weiß das, wie gesagt. Dass die Seeheimer immer noch so tun, als müsste man jetzt erstmal nachdenken, ist lächerlich. Dass es eine Linkspartei mit zwölf Prozent gibt, spricht Bände. Andererseits ist die SPD für die Seeheimer und die Netzwerker eh nur Mittel zum Zweck: Karriere machen.

    Solange die SPD von solchen Leuten bestimmt wird, ist es völlig in Ordnung, dass sie abkackt. So schade es eigentlich ist.

  3. Ich kann meinen beiden Vorschreibern nur voll zustimmen
    Es ist ein Witz, das diese Gruppierungen solchen Einfluß gewinnen konnten.
    Selbst Gabriel ist neben Netzwerker auch noch im Leitungskreis der Seeheimer, sehr bedenklich

    • Entschuldige bitte, dass ich Deine Meinung, wie auch die einiger Vorredner (nicht teilen kann). Es ist schlechter politischer Stil jemand abzuqualifizieren, weil einem dessen Meinung ungelegen kommt. Die Seeheimer und Netzwerker sind, wie die Linken (herzliche Grüße) alle Mitglieder der SPD und haben ihren berechtigten Anteil an unserer gemeinsamen Politik.

  4. Die Seeheimer haben höchstens einen berechtigten Anteil an dem Wahldebakel, und genau deshalb wird hier von einigen die Meinung vertreten, dass ihr Einfluss schädlich ist für die SPD.

    Diese Analyse schlechten politischen Stil zu nennen, ist unpolitisch. Unpolitisch ist allein dein Standpunkt, Sebastian.

    Aber um Politik geht es euch wahrscheinlich nicht, sondern um Karriere.

  5. Ich hab zwei Fragen: erstens: was ist das für ein Plugin, was Du für die Ansicht der Kommentare nimmst? Finde das sieht ziemlich gut aus. Oder welches Theme nimmst Du?

    Zweite Frage: so ein Artikel wie der hier hätte gut in unseren Schwerpunkt zur Zukunft der SPD gepasst: http://www.vorwaerts.de/hintergrund/zukunft-der-spd

    Würdest Du so einen Artikel eventuell noch schreiben für uns, basierend auf der aktuellen Situation der SPD?

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