Linkswende: Eine kleine Nachbetrachtung

Eine Übernahme von „Junge Mitte NRW“

Fast hat man den Eindruck, dass der linkswende-Kongress der Jusos längst nicht so aufsehenerregend war, wie die anschließende Nachbetrachtung. Nicht nur der Auftritt von Gesine Schwan wurde kommentiert, sondern auch der (Un-)Sinn des Kongresses an sich. Eine besonders kritische Stimme kam von den Jusos Hamburg, welche den Kongress als „antikapitalistische Privatparty titulierten.
Aus diesem und anderen Gründen habe ich nicht daran teilgenommen, aber ich sehe mich bestätigt, wenn ich sehe, wo die Schwerpunkte gesetzt wurden. SPD böse, Chavez gut. So kann man keine soziale Politik im 21 Jahrhundert machen. Zwar wurde auch Chavez kritisiert, aber unter vielen Jusos hat er auch Anhänger. Dies sind meist dieselben, die behaupten, dass die „soziale Alternative zur bestehenden Gesellschaft 1989 untergegangen ist„.

Für und mit solchen Leuten führt man einen Kongress durch? Es ist kaum zu begreifen, dass teils propagandistische Veranstaltungen als „politische Bildung“ gelten, aber man kann sich die Inhalte nicht aussuchen. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass viele Jusos offenbar nicht bereit sind sich wirklich mit den Problemen der Zeit auseinanderzusetzen. Der Erkenntnisgewinn macht sich im Verband jedenfalls noch nicht bemerkbar. Es werden die alten Rezepte vorgetragen: Marx, Umverteilung, Verstaatlichung. Oft geraten solche Veranstaltungen zur Phrasendrescherei, gerade, weil viele Begriffe inflationär gebraucht werden: (Anti-)Faschismus, (Anti-)Kapitalismus, (Anti-)Militarismus, „Gender“ (gerne auch in Verbindung mit „Mainstreaming“) und natürlich „links“. Diese Sprache findet sich oft auf linken Kongressen und zeichnet sich dadurch aus, dass Sie niemand versteht.

Die Jusos nehmen eine wichtige Rolle in der SPD und auch in der Gesellschaft insgesamt ein, aber gute Politik wird nicht auf abgehobenen Kongressen gemacht, sondern in der täglichen, praktischen Arbeit.

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