Auch ein Israeli kann Faschist sein

Ich bin dafür bekannt, dass ich ausgesprochen pro-israelisch bin und werde es vermutlich auch bleiben. Dennoch (oder gerade deshalb) sehe ich die aktuelle Entwicklung in Israel mit großer Sorge. Bei den Wahlen hat es einen eindeutigen Rechtsruck gegeben, der zu einer kritischen Betrachtung mahnt. Sozialdemokratische Parteien kommen nur noch auf 15 bzw. 3 Sitze, während der große Gewinner der Wahl Avigdor Lieberman und seine Partei Unser Haus Israel sind.
Dieser Mann ist in der Presse wiederholt als Faschist bezeichnet worden. Ist diese Bezeichnung zutreffend? Ich denke ja, denn wer dazu aufruft Gaza „plattzuwalzen“ und von arabischen Israelis einen Treueeid fordert, der hat es nicht anders verdient. Faschismus ist nicht per se gleichzusetzen mit Antisemitismus; prominente Beispiele von faschistischen Juden im Italien unter Mussolini. Gleichwohl muss man sagen, dass diese während des Holocaust genauso zu den Opfern gehörten und es heute verwunderlich ist, wenn ein Jude einen Sprachstil an den Tag legt wie die Nazis.
Auch wenn eine Koalition aus Kadima&Likud (eventuell unter Beteiligung der Arbeitspartei) unwahrscheinlich ist, wäre sie doch das Beste für die gebeutelte Region, die nach dem Gaza-Krieg eine Perspektive braucht. Die Mehrheit der Isrelis hat den Krieg unterstützt, aber es besteht eine Chance auf Frieden, die durch Fanatiker wie Lieberman nicht zerstört werden darf.

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