Debatte um Begriffe ist nicht zielführend

Im Kommunalwahlkampf in Wuppertal fischt die Wählergemeinschaft (WfW) am rechten Rand. Mit dem Begriff der Türkisierung spricht der Spitzenkandidat der WfW in polemischer Weise über die soziale Situation an der B7. Die Reaktionen blieben nicht aus: WZ, SPD und Jusos kritisierten die Äußerungen scharf. Auch die CDU grenzt sich ab, während sich die Republikaner erstaunlich still verhalten. Der erwartete Beifall kommt bislang nicht, vermutlich weil sie noch überrascht sind, dass jemand in ihrem Revier wildert. Ein wesentliches Problem ist (und bleibt): Bei der Debatte um Begriffe treten die eigentlichen Herausforderungen unserer Stadt in den Hintergrund.
Fakt ist: In einigen Bereichen Wuppertals leben bis zu 1/3 Ausländer (die eingebürgertenMitbürger nicht mitgerechnet); entlang der Talachse etwas mehr, in den Außenbezirken etwas weniger (Quelle). Für viele stellen sich die Probleme, die Migranten in Deutschland überhaupt haben: Mangelnde Sprachkenntnisse, kulturelle Abgrenzung, Bildungsprobleme und vieles mehr. Nicht umsonst stellt das Berlin-Institut der Stadt in ihrer letzten Studie ein eher schlechtes Zeugnis aus. Cosmo TV hat sich in der letzten Sendung sehr konstruktiv mit dem Thema auseinandergesetzt und beide Seiten in die Pflicht genommen. Leider ist dieser Beitrag nicht mehr verfügbar, aber die Sendung Westpol argumentierte ganz ähnlich. Leider krankt eine offene Diskussion an politischer Überkorrektness auf der einen und teils rassistischen Äußerungen auf der anderen Seite. Ein Mittelweg scheint nicht findbar und so bleiben die Migranten in ihrer Ecke und die Deutschen in der ihren. All das nur, weil man sich weigert ein Thema offen anzugehen? Scheinbar, denn die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit und die sozialen Spannungen in Stadtteilen mit vielen Migranten besonders hoch sind, wikt auf niemand mehr störend. Also sind es doch „die Ausländer“? Mitmitchen, aber in den letzten Jahren sind regelrechte Ghettos entstanden, aus denen sich nur schwer wieder ausbrechen lässt, weder räumlich, noch sozial. Würde man endlich klare Kriterien für Integration einführen (du musst A, B, C, D erfüllen), müsste man im Gegenzug auch die Politiker zur Verantwortung ziehen, die trotz der Bereitschaft der Migranten keine Aufstiegschanchen für sie schaffen.
Diese Begriffsdebatten sind allerdings weder für die sog. Mehrheitsgesellschaft, noch für die Migranten verständlich. Wünschenswert wäre eine klare Sprache, allerdings ohne wieder in alte nationale oder religiöse Stereotypen zu verfallen.

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